Dr. forest Christoph Hoffmann

Bundesregierung darf der Zerstörung des Weltnaturerbes Selous in Tansania nicht tatenlos zusehen

Beim bedrohten UNESCO-Weltnaturerbe Selous hat die Bundesregierung eine einmalige Chance, ihren großen Ankündigungen bei Klima- und Waldschutz endlich Taten folgen zu lassen.

Statt die Zerstörung von 1.500 Quadratkilometer Wald, landwirtschaftlichen Flächen und der Heimat von Elefanten hinzunehmen, muss die deutsche Bundesregierung Tansania kurzfristig umsetzbare Alternativen zum Bau des Megastaudamms aufzeigen und entsprechende technische und finanzielle Unterstützung in Aussicht stellen. 

Tansanias Bevölkerung leidet unter mangelnder Stromversorgung. Zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensumstände sowie zur Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung ist ein Ausbau des Energiesektors dringend geboten. 

Langfristig wird Tansania seine Energieprobleme über Erneuerbare Energien lösen. Auf dem Weg dorthin ist die Nutzung des Energieträgers Gas, das in Tansania vorhanden ist, als Brückentechnologie eine gute Möglichkeit, die Regierung des Landes zu überzeugen. Die FDP hat einen entsprechenden Antrag in den Bundestag eingebracht. 

Der Antrag der Koalitionsfraktionen hingegen ist ein Feigenblatt und lässt jede Lösungsorientierung vermissen. Ohne eine gangbare, fertige Alternative zu seinem Staudamm-Projekt wird Präsident John Magufuli sich nicht von der Zerstörung der wertvollen Naturlandschaft abbringen lassen. 

Die Bundesregierung sollte dem FDP-Antrag folgen und endlich liefern. Ihren mit Verve vorgetragenen Waldschutz-Vorhaben steht eine klägliche Waldflächenbilanz in der Entwicklungszusammenarbeit gegenüber (BT-Drs. 19/4068). Das Versagen der Bundesregierung beim einstigen Lieblingsthema Klimaschutz ist angesichts verfehlter Ziele hinlänglich bekannt.

Die wirtschaftliche und ökologische Entwicklung Afrikas darf uns nicht egal sein. Daher ist es höchste Zeit, den Ausbau des Energiesektors in Tansania auf ökologisch vertretbare Weise zu unterstützen. Es ergibt jedoch keinen Sinn, weiterhin Biodiversitätsprogramme zu fördern, wenn ein Partnerland Weltnaturerbe liquidiert.