Er will „in Berlin etwas bewegen“

Bad Bellingens Bürgermeister Christoph Hoffmann hat als FDP-Kandidat den Sprung in den Berliner Bundestag geschafft. Im Kurort stehen nun Neuwahlen für den Bürgermeisterposten an.

Bad Bellingen. Nach dem Wahlerfolg ging es für Hoffmann Schlag auf Schlag: Flug gebucht, Koffer gepackt, am Morgen zum Flughafen. „Es war eine kurze Nacht“, meinte er gestern kurz nach seiner Landung in Berlin im Gespräch mit unserer Zeitung.

„In Berlin etwas bewegen“

„Ich freue mich, dass ich die Interessen der Menschen aus dem Markgräflerland, die mir am Herzen liegen, vertreten kann“, so Hoffmann. Als Praktiker wolle er „in Berlin etwas bewegen“. Es gebe drei Ausschüsse, in denen er sich gerne einbringen würde: Forst/Agrar, Tourismus oder Entwicklungshilfe. Im Grunde sei er aber, auch durch seine Tätigkeit als Bürgermeister, „flexibel und ein Generalist“.

Familie bleibt Schliengen treu

Hoffmanns Frau Cordula und Sohn Fritz werden in der Heimatgemeinde Schliengen wohnen bleiben, Hoffmann wird zwischen Berlin und Markgräflerland pendeln. In der Bundeshauptstadt werde er sich nur „eine Bude“ nehmen, so Hoffmann.

In Berlin warte sicher viel Arbeit auf ihn, dennoch dürfe die Familie nicht zu kurz kommen, betont er.

Zunächst werde er für eine Woche in Berlin bleiben, um dann nochmals für ein paar Tage ins Bad Bellinger Rathaus zurückzukehren.

Bundschuh: Rieseneinsatz

Glückwünsche für den Wahlerfolg gab es gestern unter anderem von Nachbarbürgermeister und Parteikollege Werner Bundschuh. Hoffmann habe „Rieseneinsatz“ gezeigt, so der Schliengener Rathauschef, der ihm viel Erfolg in Berlin wünschte. „Wenn ein hiesiger Abgeordneter in Berlin ist, kann das nur gut für die Region sein.“ Er freue sich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit der neuen Kollegin oder dem neuen Kollegen.

Das Comeback der FDP sei vorherzusehen gewesen. „Diese Wahl wurde von Lindner entschieden – ein guter Mann“. Bundschuh hofft nun, „dass die FDP in den Koalitionsverhandlungen klare Kante zeigt und ihre Positionen durchsetzt.“

Kein gutes Haar lässt er an Union und Merkel. Das Ergebnis spiegle den Vertrauensverlust wider. Nach den erheblichen Wahlverlusten habe Merkel nicht mehr die Autorität und Souveränität, die für das Kanzleramt nötig wären. Die CDU gehöre personell runderneuert, auch was die Inhalte angehe.

Das weitere Prozedere

Bis Mitte Oktober wird die offizielle Bestätigung durch den Bundeswahlleiter erwartet. Ab diesem Zeitpunkt wird Hoffmann automatisch von seinem Bürgermeisteramt entbunden. Diese Mitteilung markiert den Startzeitpunkt für die konkrete Wahlvorbereitung. Ab diesem Zeitpunkt habe die Gemeinde drei Monate Zeit, die Bürgermeisterwahl durchzuführen, erläuterte Hauptamtsleiter Hubert Maier im Gespräch mit unserer Zeitung.

In einer Sondersitzung des Gemeinderats werde man das gesamte Prozedere, alle Fristen und Modalitäten, etwa zur Ausschreibung, festlegen.

Interessenten für den Rathauschefsessel gibt es bereits (wir berichteten). Schon vor der Wahl hatten zwei potenzielle Kandidaten bei Hoffmann angeklopft.

Frühester Wahltermin

Die Wahl könne frühestens kurz vor Weihnachten stattfinden, je nachdem aber auch erst Mitte Januar.

Solange der Rathauschef-Posten vakant ist, steht Bürgermeister-Stellvertreterin Monika Morath in der Pflicht. „Alle Projekte müssen ja weiterlaufen und Entscheidungen getroffen werden“, so der Hauptamtsleiter. Dabei setze man jedoch auf Teamarbeit, auch mit den weiteren Bürgermeister-Stellvertretern. Auch angesichts der „tollen Mannschaft im Rathaus“ blickt Maier zuversichtlich auf die nächsten Monate, obgleich er sicher ist: „Das nächste halbe Jahr wird nicht einfach werden.“ Zumal hinter der Verwaltung bereits eine sehr arbeitsreiche Zeit mit vielen Baustellen und Projekten liege, die man abgewickelt oder angestoßen habe.

„Es braucht Kontinuität“

Wichtig sei, dass schnellstmöglich Neuwahlen stattfinden, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Doris Heitz auf Nachfrage unserer Zeitung. Es brauche Kontinuität in der Gemeinde, schließlich seien noch einige Projekte in der Pipeline.

Sie persönlich gönne es Hoffmann, dass sein Wunsch in Erfüllung ging. Für die Gemeinde sei ihr ein zufriedener Bürgermeister aber lieber gewesen. „Er wollte aber mehr. Dann muss man ihn ziehen lassen.“ Schließlich habe er in der Vergangenheit schon frühzeitig einige Anstrengungen unternommen, um den Wechsel zu initiieren, so Heitz. Sie spielt damit darauf an, dass Hoffmann als parteiloser Bürgermeister gewählt wurde, dann zur CDU wechselte, um Anfang 2016 bei der FDP einzusteigen.

Der Weggang von Hoffmann sorge jetzt für einen Bruch, „aber die Welt dreht sich weiter“. Als zweite Bürgermeister-Stellvertreterin werde sie Monika Morath in der Übergangszeit unterstützen. „Ich hoffe jetzt auf gute Kandidaten für die Nachfolge.“

„Vorteil für die Region“

Dass Bad Bellingen Hoffmann als Bürgermeister verliere, sei bedauerlich, sagte Thomas Gerspacher (Fraktionsvorsitzender Freie Wähler). Dass mit ihm ein weiterer südbadischer Abgeordneter in den Bundestag einziehe, sei indes für die Region von Vorteil. „Damit Lörrach nicht immer am Ende von Deutschland liegt.“

Gerspacher gratuliert Hoffmann zum Wahlerfolg. Sein großer Einsatz sei in Stimmen gewürdigt worden. „Und dass er was erreichen kann, hat er in Bad Bellingen bewiesen“, so der langjährige Gemeinderat. „Ich traue ihm auch in Berlin einiges zu.“ Den neuen Bad Bellinger Bürgermeister erwarte jedenfalls ein gut bestelltes Feld. Darauf könne man aufbauen. Wichtig für die Zukunft des Kurorts wäre, dass der Tourismus wieder stärker in den Fokus rücke und Bad Bellingen als Gesundheitsstandort wieder gestärkt werde.

Die SPD-Fraktion war gestern nicht zu erreichen.

*Claudia Bötsch

Quelle: Weiler Zeitung vom 25.09.2017