Neue Lösungsansätze sind gefragt

Um heute effektive Arbeitsvermittlung zu gestalten, muss die Agentur für Arbeit nicht nur mit der örtlichen Wirtschaft, sondern auch mit den politischen Gremien eng zusammenarbeiten. Unter diesem Motto hatte der seit drei Monaten amtierende Geschäftsführer der Lörracher Agentur für Arbeit, Andreas Finke, alle Fraktionen des Kreistages zu Gesprächen eingeladen.

Kreis Lörrach. Alle vier Mitglieder der FDP-Kreistagsfraktion – Fraktionsvorsitzender Wolfgang Roth-Greiner, Stellvertreter Franz Kiefer, Kevin Brändlin und Christoph Hoffmann –­ haben sich mit dem Geschäftsführer zu einem intensiven Meinungsaustausch getroffen, wie die Kreistagsfraktion jetzt mitteilte.

„Die Arbeitsmarktpolitik geht nur noch mit Partnern“, erklärte Finke. Darum sei es wichtig, auch mit der Politik ins Gespräch zu kommen. Roth-Greiner stimmte dem zu. Mit einer Arbeitslosenquote von um die 3,2 Prozent stehe der Landkreis Lörrach sehr gut da. FDP-Kreisrat Christoph Hoffmann ist seit zehn Jahren Bürgermeister von Bad Bellingen, für ihn ist die Integration von Flüchtlingen täglicher Ansporn. Er hinterfragte daher die konkreten Maßnahmen.

Finke stellte die generelle Linie der Bundesagentur dar: Spracherwerb, abgeschlossene Ausbildung und danach Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Hoffmann erwiderte, dass nach seinen Erfahrungen viele Syrische Kriegsflüchtlinge gar nicht hierbleiben wollten. Es ginge ihnen in erster Linie darum, möglichst schnell viel Geld zu verdienen. Viele hätten ihre Familien in Flüchtlingslagern im Nahen Osten, die sie finanziell unterstützen wollten. Diese Sichtweise ist auch Finke bekannt. Das Problem sei, dass Asylsuchende dann oftmals Integrationskurse abbrechen würden, um einen Hilfsjob in der Landwirtschaft oder auf dem Bau anzunehmen.

„Wir müssen ungewöhnliche Wege gehen, um noch mehr Menschen in Arbeit zu bringen“, sagte Finke.

Ein Beispiel: Eine gelernte Verkäuferin sucht dringend Arbeit – ein Einzelhandels- geschäft such dringend eine Fachkraft. Aber wer beaufsichtigt das Kind der Verkäuferin bis zum Ladenschluss um 20 Uhr? „Hier müssen wir dringend Lösungen schaffen“, bekräftigte Finke. Ferner setze er sich für einen Ausbau und eine Stärkung der Berufsberatung ein. Eine Lehre werde viel zu selten als eine Bildungschance verstanden. „Schließlich gilt eine abgeschlossene Berufsausbildung als qualifizierter Realschulabschluss“, sagte der Geschäftsführer.

Abschließend erkundigte sich Roth-Greiner nach der Sicherheit der Mitarbeiter in der Agentur für Arbeit. „Wir schulen unsere Mitarbeiter in Deeskalationstechniken und haben an jedem Arbeitsplatz einen Alarmknopf“, erklärte Finke. Aus datenschutzrechtlichen Gründen müssten die Beratungsgespräche allerdings unter vier Augen durchgeführt werden, wie weiter zu erfahren war.

Für die Kreistagsfraktion wurde deutlich, dass der Erfolg der Stellenvermittlung nur gemeinsam mit den regionalen Unternehmen gelingen kann. 99,6 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind kleine und mittlere Unternehmen. Diese gilt es zu stärken, wie die Kreistagsfraktion betonte.

Quelle: Die Oberbadische vom 11.09.2017