Warum das Gesundheitswesen in der Region krankt

Bundestagskandidat Christoph Hoffmann (FDP) spricht in Rheinfelden mit Fachleuten über neue Modelle für die medizinische Versorgung.

Wird Rheinfelden abgehängt in der Gesundheitsversorgung des Landkreises, wenn in Lörrach ein neues Zentralklinikum entsteht und der örtliche Krankenhausstandort aufgegeben wird? Diese spannende Frage zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung in der Zukunft stand im Raum. Der FDP-Bundestagskandidat Christoph Hoffmann hat sie bei einer Veranstaltung mit Fachleuten im Gesundheitswesen zum Thema gemacht, weil die Versorgungsstrukturen nicht zufriedenstellen.

Seine Kritik am bestehenden System: „Die Manpower wird nicht genutzt“, für „Absurdistan“ erklärte Hoffmann, dass die medizinische Versorgung an der Realität vorbei laufe mit immensen Wartezeiten für Patienten und einer Budgetierung durch die Kassen, sodass inzwischen Kommunen Initiative ergreifen, um den Mangel an Ärzten zu beheben. Sein Credo: „Wir müssen umdenken.“ Vor diesem Hintergrund moderierte Hoffmann zwei Stunden ein Thema, das interessante Schlaglichter auf andere Versorgungsmodelle warf, die allerdings nicht die besondere Rheinfelder Frage erhellten, als vielmehr grundsätzliche politische Handlungsaufträge an die Kreis- und Bundespolitik.

Das brisante Thema und die angekündigten Referate mit Möglichkeit zur Diskussion haben erwarten lassen, dass sich der Saal im Danner am Dienstagabend gut füllt. Tatsächlich blieben die Liberalen aber bei nur knapp 20 Teilnehmern in der Veranstaltung weitgehend unter sich. Die Erfahrungsbeiträge von Gesundheitsökonom Daniel Dröschel, der Gesundheitswissenschaftlerin Monika Roth, die Erfahrungen mit der modellhaften GmbH „Gesundes Kinzigtal“ vorstellte, und von Heike Jost als Geschäftsführerin des Medizinischen Gesundheitszentrums Lörrach zeigten auf, dass neue Initiativen zur Versorgung außerhalb der Krankenhäuser bereits erfolgreich arbeiten.

In den Impulsreferaten und einer geschickten Moderation von Christoph Hoffmann zeichnete sich ab, dass genügend Konzepte zur medizinischen Versorgung bestehen, es aber an der Umsetzung oft kranke (Dröschel). Seiner Meinung nach sei es nicht Aufgabe der Kommunen, medizinische Versorgungszentren zu eröffnen, zumal kommunale Ärztehäuser den Ärztemangel auch nicht beheben. Er mahnte eine bessere Zusammenarbeit von Kassenärztlicher Vereinigung und Kommune an, um Probleme zu lösen und forderte weniger Bürokratie, dafür mehr Synergien und Kooperationsmodelle. Als Ziel erklärte er ein Versorgungsmanagement um eine Zentralklinik.

Als Modellprojekt, das im Ortenaukreis rund 70 000 Einwohner gut versorge, stellte Monika Roth die GmbH „Gesundes Kinzigtal“ vor. Auch hier spielt die Vernetzung von Ärzten und Kassen die große Rolle. Nicht nur Heilung, sondern auch Prävention stehen bei diesem Projekt im Mittelpunkt. Das Ergebnis seien 35,5 Millionen eingespartes Geld und eine längere Lebenszeit, weil die Patienten lernen, verantwortlich zu agieren.

Das Programm von „Gesundes Kinzigtal“ fand volle Zustimmung bei Heike Jost vom medizinischen Zentrum (MVZ) Lörrach, die am liebsten „Copy and paste“ anwenden würde. Sie stellte als ein Versorgungsmodul die ambulante Praxisklinik vor, das den Vorteil für Ärzte biete, kein eigenes Risiko einzugehen, sondern sich im Angestelltenverhältnis um die medizinische Versorgung kümmern zu können.

Am Ende des Abends erneuerte Hoffmann seinen Anspruch, sich politisch für eine umfassende Reform des Gesundheitswesens einzusetzen, zugunsten einer ganzheitlichen Versorgung.

Ingrid Böhm-Jacob

Quelle: Südkurier vom 07.09.2017