Kandidatencheck: Christoph Hoffmann (FDP) will die weltbeste Bildung

Für die FDP tritt Christoph Hoffmann im Wahlkreis 282 Lörrach-Müllheim bei der Bundestagwahl am 24. September an

Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts. So könnte das Motto von Christoph Hoffmann lauten. „Ein guter Sozialstaat braucht eine starke Wirtschaft“, sagt der 59-jährige Forstwirt, der am 24. September erstmals für den Bundestag kandidiert und sich nicht chancenlos sieht.

Immerhin steht er auf Platz zehn der FDP-Landesliste. Erreicht die FDP im Land bei den Zweitstimmen etwa 9,5 Prozent könnte der Bad Bellinger Bürgermeister damit tatsächlich in den Bundestag einziehen.

Was ich anpacken will: „Die Politik hat sich zuletzt zu sehr um die Ränder gekümmert, statt um die Mitte der Gesellschaft, also die, die morgens zur Arbeit fahren, Probleme haben mit der Bahn oder mit Schulausfällen der Kinder. Da fehlt es. Die kalte Progression ist ein weiteres Beispiel, auch wenn ich nicht das Thema Steuern in den Vordergrund spielen will. Denn FDP-Hauptthema ist die Bildung. Wir brauchen die weltbeste Bildung, denn der einzige Rohstoff, den wir haben, liegt eben zwischen den Ohren.“

An die Nieren geht mir: „Besonders ärgern mich die Staatsgläubigkeit, der Ruf nach dem Staat in jeder Situation – sei es zum Helfen, sei es zum Verbieten. Wir brauchen eine Gesellschaft, in der sich jeder für sich selbst und andere verantwortlich fühlt. Es muss den Bürgern leichter gemacht werden, sich zu engagieren. Das fängt im Vereinsleben an und endet nicht bei der Flüchtlingshilfe.“

Mein weiterer Weg führt mich: „Ich bin sicher, die FDP schafft die Rückkehr in den Bundestag und da helfe ich gerne beim Aufbau der neuen Fraktion. Mir fehlt im Parlament dieser Tage der liberale Geist. Wir haben zwar viele staatsverliebte Kümmerer in Berlin, aber zu wenig Praktiker, die drängende Probleme lösen, statt diese nur beschreiben und vertagen. Wenn das nicht klappt, bleibe ich Bürgermeister in Bad Bellingen.“

Was ich im Sinn habe: „Mir geht es vor allem darum, die Selbstständigen und die kleinen Betriebe zu erhalten. Wir erleben eine überbordende Bürokratie, die besonders den Mittelstand, aber auch Vereine, Pfleger und Kommunen behindert. Das muss sich wieder ändern. Wir können nicht alles mit überzogenen Standards versehen. Mir geht es um Freiheit und Selbstbestimmung und darum, dass wir ein Umfeld bereitstellen, in dem Initiative nicht in Regelungswut erstickt wird.“

Mein Herz schlägt für: „Die Menschen im Südwesten. Wir haben eine ländliche Struktur, viele Orte haben einen Mittelständler als Weltmarktführer, dazu das Handwerk, kleine flexible, erfolgreiche Strukturen. So gibt es gute Arbeitsplätze in unserer landschaftlich schönen Region. Dazu kommen das Grenzüberschreitende und die Europäisierung, die im Dreiländereck toller Alltag sind. Dafür schlägt mein Herz. Es schlägt auch für die soziale, ökologische Marktwirtschaft. Aber die Sozialausgaben steigen im Kreis und den Kommunen zu rapide, das kann auf Dauer nicht gut gehen. Denn was verteilt wird, muss erst erwirtschaftet werden.“

Beweglichkeit in der Politik: „Es ist davon auszugehen, dass es nach dem 24. September keine Partei allein machen kann. Politik ist immer die Kunst des Kompromisses. Ein absolutes Muss wäre für mich ein Einwanderungsgesetz, das illegale Einwanderung besser kontrolliert und gleichzeitig den legalen Zuzug von Fachkräften ermöglicht. Auch die Entbürokratisierung durch Subventionsabbau und Kommunalisierung sind mir wichtig. Parteien, mit denen das umsetzbar ist, sind potenzielle Partner.“

Zur Person

  • Christoph Hoffmann: Der 59-Jährige war lange parteilos. Erst zur Kreistagswahl 2014 trat er in die CDU ein und wechselte 2016 zur FDP. Er ist verheiratet und hat einen 14-jährigen Sohn.
  • Geboren: 9. Dezember 1957, Schliengen
  • Wohnort: Schliengen
  • Beruf: Diplomforstwirt und Bürgermeister
  • Karriere: 15 Jahre in der Forstverwaltung mit verschiedenen Forstamtsleitungen, seit 2007 Bürgermeister in Bad Bellingen, Mitglied im Kreistag und im Landesvorstand des Gemeindetages.
  • Ausbildung: Studium in Freiburg und den USA mit Promotion
  • Parteimitglied seit: 2016

Drei Ziele

  • …für meinen Wahlkreis
    • Die Abschaltung der Atomkraftwerke hier an der Grenze vor allem das in Fessenheim.
    • Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: von der B 317 und dem Weiterbau der A 98, Hochrhein-Elektrifizierung und 30-Minuten-Takt zwischen Freiburg und Basel bis zur Tieflage des 3./4. Gleises bei Müllheim.
**Die ärztliche Versorgung auf dem Land sichern!
  • …für die Bundespolitik
    • Freiheit gibt’s nur mit Sicherheit: Wir brauchen eine neue Sicherheitsarchitektur.
    • Glasfaser an jedes Haus!
    • Die Nullzinspolitik beenden, Ersparnisse und Renten sichern, Altersarmut vorbeugen.

Ein Förster für den Subventions-Dschungel
“Ein Praktiker in den Bundestag!” So wirbt Christoph Hoffmann auf seinem Flyer um Stimmen. Tatsächlich sieht sich der 59-Jährige, der nicht nur zehn Jahre Erfahrung als Bürgermeister mitbringt, sondern auch 15 als Förster und zwei Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit in Westafrika, zunächst vor allem als Vertreter der kommunalen Ebene. Er ist geradezu beflügelt von dem Gedanken, diese in Berlin aus seiner Sicht unterbelichtete Perspektive sichtbarer zu machen und überzeugt, da etwas bewegen zu können – auch als Newcomer.

An Selbstbewusstsein jedenfalls fehlt es nicht. In der Grundhaltung bewegt sich Hoffmann dabei im Dunst klassisch liberalen Denkens. Bürokratie und Regulierungseifer sieht er ebenso skeptisch wie allzu ungebrochenes Vertrauen in den fürsorgenden “Vater Staat”.

Im Gegenteil: Fixsterne seines Polituniversums sind Begriffe wie Bürgergesellschaft, Selbstbestimmung, gesunder Menschenverstand, Leistung, individuelle Verantwortung. Mehr Eigenverantwortung wagen, könnte – frei nach dem früheren Bundeskanzler Willy Brandt – denn auch ein Motto dieses Kandidaten sein. Das an der deutschen Realität aber noch zu prüfen wäre.

Entsprechend begeistert er sich aber für das Modell Schweiz – zumal diese Kantonen und Kommunen nicht nur größere Spielräume lässt, sondern der Alltag im eidgenössischen Sozial- und Steuerstaates auch individuell mehr Verantwortung verlangt als hierzulande üblich.

Politische Parteien wurden für den 59-Jährigen dagegen erst spät zum Bezugspunkt und der war zunächst nicht mal die FDP, sondern die CDU, auf deren Ticket er 2014 in den Kreistag Lörrach einzog. Von der Union aber wendete er sich schon 2016 wieder ab und wechselte zur FDP – nicht zuletzt wegen der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel 2015/16. “Diese war ein Fehler”, sagt er bis heute.

Den Verdacht, dass der Wechsel Karrieregründe hatte und der politische Aufstieg bei der ausgezehrten FDP allemal einfacher, weist er dagegen zurück. “Ich brauche das Bundestagsmandat nicht. Mit geht’s alleine um die Inhalte”, kommentiert er das und er sei sicher, dass er da im Bundestag etwas beitragen könne – etwas, was er auch selbstironisch benennen kann: Als Förster etwa würde er liebend gern den Subventions-Dschungel durchforsten. Das ist einmal mehr ziemlich vertraute FDP-Denke.