Der Bund muss mehr Druck auf das Land ausüben

Vertreter von Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland und MUT im Gespräch mit dem FDP-Bundestagskandidaten Christoph Hoffmann.

AUGGEN/MÜLLHEIM (mps). Der Protest der Bürgerinitiativen gegen die Art und Weise des Ausbaus der Rheintalbahn geht weiter. Das betonten jüngst die Vertreter des Bürgerbündnisses Bahn Markgräflerland und der MUT beim Gespräch mit dem FDP-Bundestagskandidaten Christoph Hoffmann. Der Bad Bellinger Bürgermeister kündigte an, sich für eine Neuverhandlung der im Projektbeirat betroffenen Fakten stark zu machen. Er war sich mit den Vertretern des Bürgerbündnisses einig, dass eine Reihe neuer Sachverhalte Nachverhandlungen der Projektbeiratsbeschlüsse erfordern.

Schon als Bürgermeister des südlich gelegenen Kurortes sei er an der Tieflage interessiert, um mit dem möglichen Überwurfbauwerk mehr Güterzüge durch den Katzenbergtunnel zu lenken. Für Gerhard Kaiser von der Bürgerinitiative die einzig richtige Lösung: “Das würde getrennte Gleise ermöglichen und deutlich die Kapazitäten steigern.” Dagegen steht allerdings der Beschluss des Projektbeirates und in der Folge die Entscheidung des Bundestages. Trotzdem: Hoffmann fordert – und als möglicher Bundestagsabgeordneter wolle er sich dafür in Berlin stark machen, sagt er – das Paket nochmals aufzuschnüren. Dazu ergänzt der Kandidat: “Der Bund muss in der Folge mehr Druck auf das Land mit Blick auf eine finanzielle Beteiligung ausüben.” Denn genau an der Absage des Landes scheiterte bisher die Tieflage. Kein Sinn machen nach Ansicht Hoffmanns und der Bürgerinitiativen Lärmschutzwände mit Höhen von acht Metern, die extreme Auswirkungen auf den Landschaftsschutz, auf den Naturschutz und wegen massiver Auswirkungen für das Kleinklima auf die Landwirtschaft haben. Auch der Tourismus würde durch das Bollwerk quer durch die Tiefebene massiv beeinträchtigt, hieß es weiter.

Dreh- und Angelpunkt heute sei die von der Bahn geforderte Einhaltung der Maximalgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. “Allein die Reduktion auf 230 Stundenkilometer würde Kosten in Höhe von 500 Millionen Euro einsparen”, erklärt Kaiser. Roland Diehl von der IG Bohr ergänzte: “Zwischen Offenburg und Basel würden gerade 29 Sekunden verloren gehen. Das wäre vernachlässigbar. Es gilt vielmehr in Pünktlichkeit und in die Anschlussqualität ans Schweizer Schienennetz zu investieren.” Ein entsprechendes Gutachten zu den Auswirkungen der angepeilten Höchstgeschwindigkeit auf der Rheintalbahntrasse, das die Bürgerinitiative gemeinsam mit den Kommunen in Auftrag gegeben hat, soll Mitte September offiziell vorgestellt werden.

“Es geht um die vielen Flaschenhälse, die einen ordentlichen Betrieb verhindern”, lenkte Hoffmann auf das nächste Bahnthema hin, das durch den Zwangsstillstand bei Rastatt traurige Bestätigung erhielt. “Das Informationsmanagement der Bahn lässt zu wünschen übrig, und weil es keine getrennten Gleisanlagen für Personen- und Güterverkehr gibt, ist nun der gesamte Verkehr zum Erliegen gekommen”, kritisierte der Bundestagskandidat.

Für den Vorsitzenden der BBM, Michael Nutsch, und Roland Diehl sei es angesichts des Rastatt-Unfalls konsequent, wenn es eigene Gütergleise gäbe. Auch hier böte die Tieflage eine entsprechende Optimierung. Ein weiteres Manko: Zwei Tage im Monat werde der Katzenbergtunnel außer Betrieb genommen, um die Sicherheit der Sicherheitssysteme zu überprüfen, weiß Hoffmann. Das, so befürchten Michael Nutsch und Roland Diehl, würde bei den technisch aufwändigen Lärmschutzwänden ebenfalls notwendig werden, mit entsprechend hohen Zusatzkosten. “Mit einer leicht reduzierten Höchstgeschwindigkeit ließen sich menschenverträgliche Trassen mit niedrigeren Lärmschutzwänden bauen”, unterstrich Gerhard Kaiser.

Die Kosten für den aufwändig gestalteten Lärmschutz, das machten die Vertreter der Bürgerinitiativen deutlich, seien in der bisherigen Bahnschätzung gar nicht enthalten und würden die Mehrkosten für eine Tieflage weiter relativieren. Zu bedenken gab Diehl auch, dass die angeblich geforderte Höchstgeschwindigkeit überaus viel Strom verbrauche. “Und der wird bei der Bahn zu 50 Prozent aus Kohlestrom genutzt. Die Vorstellung, die Bahn sei ein grüner Verkehr ist also Quatsch”, betonte er. Einig war man sich am Ende, dass nicht das ganze “Beschlusspaket aufgeschnürt” werden müsse. Laut Diehl beinhaltet die Grundsatzentscheidung offene Optionen, die es nun gelte, in die Verhandlungen einzubeziehen. Auch dafür will sich Hoffmann einsetzen.

mps

Quelle: Badische Zeitung vom 01.09.2017