Aufräumen im Regeldickicht

FDP-Bundestagskandidat Christoph Hoffmann spricht im Gesundheitszentrum mit Ärzten und Bürgern.

TODTNAU. Das Gesundheitswesen im ländlichen Raum war Thema einer Gesprächsrunde im Gesundheitszentrum Todtnau (GZT) mit dem Bundestagskandidaten der FDP für den Wahlkreis Lörrach-Müllheim, Christoph Hoffmann, Todtnaus Bürgermeister Andreas Wießner und Mitgliedern des Kreisverbandes. Die Ärzte Thomas Honeck und Sohn Martin Honeck erklärten dem promovierten Forstwirt und Bürgermeister von Bad Bellingen die Entstehungsgeschichte des Gesundheitszentrums mit Standorten in Todtnau und Schönau.

“Die Gesundheitsversorgung auf dem Land treibt alle um”, erklärte Hoffmann, dessen Großvater bereits eine Landarztpraxis in Schliengen führte, die heute seine Schwester weiter betreibt. Andererseits würden mehr Mediziner als je zuvor in Deutschland ausgebildet. Doch die Rahmenbedingungen hätten sich verändert. Es gebe eine “Überversorgung in den Städten, und auf dem Land Probleme”, sagte Hoffmann, der mit finanziellen Anreizen junge Ärzte in den ländlichen Raum ziehen möchte.

Geld sei da, so Thomas Honeck, es müsse nur besser verteilt werden. Das Problem, dass es in naher Zukunft einen Landarztmangel geben werde, sei nicht neu, betonte Honeck. Bereits vor zwölf Jahren habe man deshalb das Gesundheitszentrum errichtet, in dem sich auch eine Praxis für Physiotherapie und Ergotherapie befindet sowie fachärztliche Nebenbetriebsstätten. Außerdem biete das GZT eine ganzjährliche Notarztversorgung.

“Die Freude am Beruf beschert uns die jungen Ärzte”, sagen Thomas und Martin Honeck, die mit ihrer Praxis auch als akademische Lehrpraxis der Uni Freiburg fungieren und ihren Ärzten flexible Arbeitszeiten bieten, um den neuen gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung zu tragen. Thomas Honeck wünscht sich von der Politik, dass die Bedarfsplanung fürs Land und die Hausarzt/Facharzttrennung aufgehoben beziehungsweise Ausnahmegenehmigungen für Landärzte eingerichtet würden. Man arbeite viel umsonst, weil fachärztliche Leistungen nicht abgerechnet werden dürften. “Wir müssen Leistungen wie Wundbehandlung, Röntgen oder Unfallversorgung aber bieten”.

Weitere Themen waren Sinn und Zweck von Budgetierung sowie Vorschriften der Kassenärztlichen Vereinigung. Eine Bitte der Ärzte an den Politiker war, “positiv in den Regelwald” einzugreifen, ganz nach Hoffmanns erklärtem Ziel. Als weitere Ziele nannte Christoph Hoffmann, der sich abends noch im Gasthaus Feldberg mit interessierten Bürgern zu einem Stammtisch traf, Bürokratieabbau, und die Einrichtung eines Amtes für Kommunales: “Dann hätte der ländliche Raum eine Lobby in Berlin”. Dass sich die Ärzte der beiden Standorte nicht gegenseitig aushelfen dürfen aufgrund eines “hoffnungslos unzeitgemäßen Vertragsarztrechtes” (Thomas Honeck), sei ein Ärgernis, das abgeschafft werden sollte.

Ulrike Jäger

Quelle: Badische Zeitung vom 01.09.2017