Kontakt

Dr. Christoph Hoffmann
Bürgermeister

Hans-Thoma-Straße 4
79418 Schliengen
kontakt@christoph-hoffmann.info

FDP im Internet

FDP Kreisverband Lörrach
FDP Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald
FDP Bundesverband

Beispiel Bad Bellingen: Wie die Auffahrt zur Datenautobahn gelingen kann

Die Möglichkeiten des schnellen Internets wachsen rasant – die dafür notwendigen Netze im ländlichen Raum aber bislang nicht. Das Beispiel Bad Bellingen zeigt, wo es bislang hakt – und wie in Zukunft alles besser werden soll.

Die Versorgung mit schnellem Internet spielt, sowohl im privaten wie im gewerblichen Bereich, eine immer wichtigere Rolle. Ständig werden neue Anwendungen entwickelt, für die immer größere Datenmengen über das Netz geschickt werden müssen. Allerdings: Deutschland steht beim Breitbandausbau alles andere als glänzend da. Das Beispiel der Gemeinde Bad Bellingen zeigt anschaulich, welche Hürden gerade im ländlichen Raum bestehen, und wie nun aber – dank gemeinschaftlicher Anstrengungen – Licht am Ende des Tunnels erscheint.

Es ist ja keineswegs so, als wäre in Bad Bellingen in punkto schnelles Internet noch nichts passiert. Im Gegenteil: Wie in vielen anderen Gemeinden der Region ist der Breitbandausbau seit geraumer Zeit Dauerthema in Rathaus und Gemeinderat. Rund 400.000 Euro hat die Gemeinde Bad Bellingen seit 2007 ausgegeben, um mit verschiedenen Lösungen die Internetversorgung des Kurorts samt seiner Ortsteile zu verbessern.

Bei einem Presseinformationsgespräch, bei dem auch der Geschäftsführer des Zweckverbands Breitbandversorgung des Landkreises Lörrach, Paul Kempf, sowie Thomas Strütt von der Planungsfirma Regiodata zugegen waren, ließ Bürgermeister Christoph Hoffmann die bisherigen Bemühungen der Gemeinde Revue passieren: ein Parforceritt durch komplexe technische und wirtschaftliche Zusammenhänge, zusätzlich verkompliziert durch nur schwer zu durchschauende Förderrichtlinien.

Worauf es bis zum jetzigen Zeitpunkt hinausläuft: Bad Bellingen hat in seinen vier Ortsteilen diverse unterschiedliche Lösungen zur Internetversorgung – mit zum Teil erheblichen Unterschieden bei den Datenraten. Diese reichen von kläglichen 1 Mbit/s (Megabit pro Sekunde) – was heutzutage völlig unzureichend ist – bis zu maximal 50 Mbit/s, was für die meisten Anwendungen derzeit gut ausreicht, aber auch nicht mehr als wirklich zukunftssicher bezeichnet werden kann.

Anschaulich stellte Hoffmann dar, wie alle bisher gefundenen Lösungen ihre, teils erheblichen, Nachteile mit sich bringen. Ein zentraler Flaschenhals sind die Kupferleitungen im herkömmlichen Telekommunikationsnetz. Selbst wenn sie mit Glasfaserkabeln unter günstigsten Bedingungen angefahren werden, ist bei maximal 100 Mbit/s Schluss, in der Regel schon deutlich drunter.

Bis 2030 Glasfaser an jedes Haus im Landkreis

Es gibt darum im Grunde nur eine zufriedenstellende Lösung: Glasfaser bis zum Endabnehmer. “Nur das ist auch auf die nächsten Jahrzehnte hin gesehen wirklich zukunftssicher”, sagt Paul Kempf, Geschäftsführer des Zweckverbands Breitbandversorgung. Datenraten für Endkunden von mehreren hundert Mbit/s sind mit Glasfaser heutzutage kein Problem, doch damit ist das Ende der Fahnenstange längst nicht erreicht, zumal die Forschung stetig weitergeht und immer wieder neue Rekorde gebrochen werden. “Bei einem vollständig ausgebauten Glasfasernetz wird die Bandbreite kein knappes Gut mehr sein”, prognostiziert Paul Kempf.

Und genau das – Glasfaser in jeden Haushalt im Landkreis Lörrach – ist das ehrgeizige Ziel, das sich der Zweckverband gesetzt hat, dem alle 35 Gemeinden des Landkreises angehören. Erreicht soll es spätestens 2030 sein, in Bad Bellingen soll die Versorgung aber schon deutlich früher erfolgen. Beim Ausbau des Netzes stellen sich zwei Hauptaufgaben: Zum einen muss ein sogenanntes Backbone-Netz erstellt werden. Darunter versteht man die Hauptstränge, die die einzelnen Gemeinden versorgen. Davon ausgehend erfolgt der Ausbau der Ortsnetze, in denen an jedes Gebäude Glasfaser herangeführt wird.

Ob dann auch tatsächlich ein Haushaltsanschluss erfolgt, kann natürlich jeder Eigentümer selbst entscheiden. Dass möglichst Viele mitmachen, darauf hoffen die Verantwortlichen. “Die Anschlussrate ist wichtig”, sagt Bürgermeister Hoffmann. Je höher die ist, desto höher ist die Pacht, die der Landkreis für sein Netz verlangen kann. Denn betreiben wird dies nicht der Zweckverband selbst – das ist aus wettbewerbsrechtlichen Gründen untersagt – sondern von einem Telekommunikationsunternehmen, das derzeit noch per Ausschreibung gesucht wird. Die läuft noch bis Ende des Jahres, doch schon jetzt kann Kempf von einer guten Resonanz berichten. “Da bewirbt sich alles, was Rang und Namen hat.”

Es besteht also berechtigte Hoffnung, dass sich die Investitionen in absehbarer Zeit refinanzieren lassen. Denn die sind beträchtlich: Allein für Bad Bellingen schlägt der Ausbau des Ortsnetzes, für das eine Trassenlänge von rund 50 Kilometern geplant wird, mit 5,5 Millionen Euro zu Buche, dazu kommen 1,5 Millionen Euro für den Ausbau des Backbones auf Bad Bellinger Gemarkung. Für den gesamten Landkreis wird mit Kosten von 250 bis 300 Millionen Euro kalkuliert. Allerdings rechnen die Verantwortlichen auch mit ordentlich Fördergeldern. Die könnten bis 50 Prozent der Investitionen betragen.

Hoffmann: “Wir müssen Gas geben”

Der Backbone soll im Laufe des nächsten Jahres bis hinauf nach Schliengen durch Bad Bellingen gepflügt werden, sukzessive kann dann auch mit dem Ausbau des Ortsnetzes begonnen werden. Bis Ende 2019 möchte man Bad Bellingen, Bamlach und Rheinweiler mit Glasfaser versorgt haben, Hertingen – das derzeit am besten versorgt ist – muss sich vermutlich noch ein wenig gedulden.

So oder so: “Wir müssen Gas geben”, sagt Bürgermeister Christoph Hoffmann. Denn Deutschland liegt beim Breitbandausbau allenfalls im Mittelfeld – abgehängt von so manchen Ländern, deren allgemeine Wirtschaftskraft deutlich hinter der hiesigen liegt. Dass es bisher so schleppend voranging, führt Hoffmann auch auf die seiner Ansicht nach bislang unzureichende und zu komplizierte Förderpolitik zurück.

Ein weiterer Grund dürfte aber auch sein, dass die öffentliche Hand lange gezögert hat, in das freie Spiel der Marktkräfte einzugreifen und beim Breitbandausbau selbst tätig zu werden. Doch selbst eingefleischte Marktliberale geben inzwischen zu, dass sich eine halbwegs gleichmäßige Versorgung mit schnellem Internet über den freien Markt allein kaum erreichen lässt. Bei privaten Telekommunikationsunternehmen erfolgt der Netzausbau – verständlicherweise – rein nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Und dadurch kann es schon innerhalb einer Gemeinde erhebliche Unterschiede geben. Aber: “Das können Sie den Bürgern auf Dauer politisch kaum vermitteln: Warum Baugebiet X gut versorgt ist und das etwas abgelegenere und kleinere Baugebiet Y nicht”, sagt Paul Kempf.

Alexander Huber
Quelle Badische Zeitung vom 05.09.2016


Kontakt

Dr. Christoph Hoffmann
Bürgermeister

Hans-Thoma-Straße 4
79418 Schliengen
kontakt@christoph-hoffmann.info

FDP im Internet

FDP Kreisverband Lörrach
FDP Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald
FDP Bundesverband